Informationen zur Geflügelpest


Informationen zur Geflügelpest/bayerische Beteiligung am bundesweiten Monitoring

 

Die Klassische Geflügelpest ist eine besonders schwer verlaufende Form der Aviären Influenza bei Geflügel (vor allem Hühner und Puten sind betroffen), aber auch bei Wildvögeln, die durch hoch pathogene Influenzaviren der Subtypen H5 (z.B. H5N1, H5N2, H5N8 etc.) und H7 (H7N7 etc.) verursacht wird. Die Krankheit verläuft sehr rasant mit deutlichen Krankheitszeichen und führt innerhalb weniger Tage zum Tod der Tiere.Die "Vogelgrippe", wie sie auch umgangssprachlich in der Öffentlichkeit genannt wird, kann in Nutzgeflügelbeständen hohe Verluste verursachen und erfordert deshalb frühzeitig Maßnahmen. Erst im letzten Monat wurde im Landkreis Emsland wieder eine hochpathogene Form des Virustyp H7N7 bei einem Legehennen-Bestand festgestellt. Betroffen war hier ein Betrieb mit etwa 10.000 Legehennen.Infektionen mit anderen Subtypen als H5 und H7 bleiben dagegen meist ohne gravierende klinische Auswirkungen.Um eine Weiterverbreitung der Seuche auf andere Geflügelbetriebe zu unterbinden, werden nicht nur die erkrankten, sondern auch die ansteckungsverdächtigen Tiere getötet und unschädlich beseitigt.

 

Wildvögel gelten als Reservoir aviärer Influenza-Viren (AIV). Da diese meist Influenzaviren von geringerer Pathogenität beherbergen, verlaufen Infektionen in der Regel symptomlos und können so unerkannt in den Populationen kursieren. Aber auch hochpathogene Formen verursachen nicht selten keine oder nur eine moderate Klinik bei Wildvögeln.Die Möglichkeit des Eintrages der AIV in Geflügelbestände durch Wildvögel, insbesondere über den Vogelzug, ist durchaus gegeben. Nachweise von H5N8 bei augenscheinlich gesunden Wildenten in den letzten Monaten deuten gerade darauf hin, dass das Virus in der Wildvogelpopulation bei Wasservögeln zirkulieren kann, ohne dass die Vögel erkranken müssen.Niedrig pathogene Influenzaviren können sich dann allerdings bei Wirtschaftsgeflügel (hier vor allem Hühner und Puten) zur hoch pathogenen Form umwandeln, wir sehen das klinische Bild der Geflügelpest.Während die Gefahr des Eintrags von AIV über Wildvögel in Geflügelbetriebe und die darausfolgenden wirtschaftlichen Konsequenzen bei einem Geflügelpestausbruch von Fachleuten bisher als gering bis mäßig eingeschätzt wurde, kann sich die Situation nun mit Beginn des saisonalen Zuges ändern und das Risiko ansteigen.Ein bundesweites Beprobungsprogramm in der Wildvogelpopulation soll den Verbreitungsgrad der Influenzaviren und das daraus resultierende Gefährdungspotential einschätzen helfen.Auch eine verstärkte Beobachtung der Zugvögel gehört zum Frühwarnsystem des Bundes. Grundlage des Frühwarnsystems in Bayern sind u.a. Meldungen über Auffälligkeiten in der Wildwasservogelpopulation, z.B. ein gehäuftes Auftreten toter Wasservögel (Betupferung dieser Tiere ist als „passives Monitoring“ anzusehen und dient der Erkennung von Virusstämmen, die auch in Wildvögeln eine erhöhte Sterblichkeit hervorrufen.). Hier kann bereits die ehrenamtlich tätige Jägerschaft einen wertvollen Beitrag leisten, denn sie kennt die regionalen Verhältnisse bestens.

 

Aktives Monitoring

 

Da zum Infektionsstatus von Zugvögeln in den Herkunftsgebieten vielfach keine gesicherten Erkenntnisse vorliegen, ist eine verstärkte Beprobung zu dieser Zeit des Vogelzuges besonders angezeigt.Ein besonderes Augenmerk wird auch auf die Beprobung klinisch unauffälliger Vögel gelegt.Solche „gesund erlegten“ Wasservögel (v.a. Stockenten) sollen auch wieder in diesem Jahr in einem aktiven Monitoring beprobt werden.Wird im Rahmen des Monitorings festgestellt, dass ein Vogel mit dem Aviären Influenzavirus infiziert ist (er muss dabei nicht erkrankt sein), werden Proben an das Referenzlabor im Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit geschickt. Dort kann dann festgestellt werden, um welchen Subtypen (H5, H7 oder andere) es sich handelt.Deutschlandweit sollen mindestens 3500 Tiere beprobt werden. Für Bayern wurde ein Probenkontingent von 750 Tieren festgesetzt. Hierbei soll eine Beprobung vermehrt in Gebieten und an Wasserflächen, die vom Vogelzug betroffen sind, vorgenommen werden.Dabei richten sich die Bejagung der Wasservögel und deren Beprobung für das Monitoring natürlich an den Jagdzeiten aus. Während die Stockentenjagd erst ab 1. September, die der anderen jagdbaren Enten ab Oktober beginnt, besteht ab August bereits die Möglichkeit, auf Grau-, Nil- und Kanadagänse zu waidwerken.Ein besonderes Augenmerk soll auf der Beprobung von solchen Wasservögeln liegen, die an großen, bekannten Gewässern und Feuchtgebieten, z.B. Donauauen/Donaumoos, Bodensee, Lech/Donauwinkel etc., die als „Treffpunkt“ für Wasservögel gelten, anzutreffen sind.

 

Probennahme

 

Wir möchten Sie deshalb bitten, das Monitoring jetzt vom Herbst an bis Januar wieder tatkräftig durch Ihre Beteiligung zu unterstützen. Für das benötigte Tupfermaterial kontaktieren Sie bitte Ihr örtliches Veterinäramt.Es besteht zudem noch die Möglichkeit, Kleinstbestände an Tupfern bei der BJV-Landesgeschäftsstelle in Feldkirchen anzufordern. Den Probenbegleitschein finden Sie im Anhang.Es ist vorgesehen, dass pro Tier jeweils zwei Proben entnommen werden. Ein Tupfer soll für einen Rachen-/Trachealabstrich verwendet werden, ein weiterer für die Betupferung der Kloake. Vergeben Sie bitte für jeden beprobten Vogel eine laufende Nummer, die Sie bitte auch auf die zugehörigen Tupferprobenröhrchen schreiben. Ein Probenbegleitschein (einer auch für mehrere Tiere, laufende Nummer eintragen) ist den Proben beizufügen. Anschließend übergeben Sie die Proben dem Veterinäramt für die Untersuchung.Menschen können sich mit den Erregern der Geflügelpest anstecken. Aufgrund der Wandlungsfähigkeit des Erregers kann ein Übertrag vom Tier auf die Spezies Mensch nie völlig ausgeschlossen werden. Infektionsquelle sind kranke oder an Geflügelpest verendete Tiere sowie deren Ausscheidungen. Alle Probennehmer seien aufgefordert, die generellen Hygiene- und Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Geflügel, Geflügelprodukten (Influenzavirus ist hitzeempfindlich und wird beim Kochen sicher zerstört.) und auch mit Wildvögeln (v.a. bei der Betupferung) konsequent einzuhalten.Bei Jagdausübenden, die gleichzeitig Geflügelhalter sind, ist das Risiko einer indirekten Übertragung des Erregers besonders hoch, vor allem wenn erlegtes Federwild im Geflügelbetrieb weiterverarbeitet wird (rupfen, ausnehmen etc.), aber auch durch Einschlep­pung über verschmutzte Kleidung oder Schuhwerk.