Bericht über die Hegeschau der Jägerschaft Wegscheider-Land e.V.  am 9. April 2016 im Landgasthof Waldbauer, Haag


Mit dem Besitzerwechsel des Haus des Gastes in Wegscheid hat die Jägerschaft Wegscheider-Land e.V. für ihre Hegeschau nach Jahrzehnten den Landgasthof Waldbauer in Haag als neuen Veranstaltungsort gewählt. Bei der diesjährigen Veranstaltung waren mehr als 150 Jäger und Gäste  anwesend. 1. Vorsitzender Alois Rosenberger ging in seiner Einführung auf das heurige Naturschutzthema des Landesjagdverbandes „Lebensraum Wiese“ ein. Es sei dringend geboten,wieder mehr Habitate für Wildtierarten zu schaffen, um die Bestandsrückgänge von Feldhasen,Rebhuhn, Wachtel, Fasan, Feldlerche, Brachvogel und Kiebitz zu stoppen, wenn diesen Arten nicht  das endgültige Aus drohen solle. Als anerkannter Naturschutzverband seien gerade auch die Jäger gefordert. Wichtig sei der Schulterschluss mit den Landwirten, diese zu überzeugen, mehr noch als bisher die öffentlichen Programme wie KULAP, Blühflächenförderung und wildtiergerechten Zwischenfruchtanbau in Anspruch zu nehmen. Darüberhinaus werden die Jäger in Zukunft auch an die Gemeinden herantreten und versuchen, daß geeignete öffentliche Vorrats- oder Ausgleichsflächen aus einer Bewirtschaftung herausgenommen und diese umgewandelt werden in Blumen- oder Streuobstwiesen mit spätem Mähzeitpunkt, als Lebensraum für alle Tierarten einschliesslich Reptilien, Vögel und Insekten. Man könne sich hier auch eine Zusammenarbeit mit Imkern oder Vereinen für Landschaftspflege vorstellen. Der Vorsitzende dankte ausdrücklich jenen Landwirten, welche sich bisher an den Programmen für die Verbesserung von Wildtierlebensräumen beteiligt haben. Diese würden damit einen wesentlichen Beitrag leisten im Rahmen der gesetzlichen Hegeverpflichtung als Jagdgenossen. In seinem anschliessenden Grußwort betonte stv. Landrat Raimund Kneidinger die gute Zusammenarbeit mit den Wegscheider Jägern. Er sei positiv überrascht, daß die vom Landkreis eingerichteten Wildtierkonfiskat-Entsorgungsstellen so gut angenommen werden.Die für das Haselhuhn-Monitoring der Wegscheider Jäger zugesagte Förderung des Landkreises  sei gut angelegt, betonte der Landrat. Jagd sei kein Selbstzweck, sondern Verantwortung für Wildtiere und Umwelt, den Schutz und Erhalt von Lebensräumen. Er dankte den Jägern für deren Beitrag zur Verringerung von Wildunfällen durch das Anbringen von Reflektoren als Dienst für die öffentliche Sicherheit. Im Auftrag der Stadt Hauzenberg begrüßte Stadtrat Johann Waldbauer die Jäger und ihre Gäste. Als Waldbauer in doppeltem Sinne und unter Bezugnahme auf das Leitbild in der neuen Homepage der Wegscheider Jägerschaft dankte er den Jägern für deren Bestreben um angepaßte und gesunde Wildbestände, wodurch ein verträgliches Gleichgewicht von Naturverjüngung und Jagd auch in Zukunft gegeben ist. MdL Dr. Gerhard Waschler versprach den Jägern, sich dafür einzusetzen, daß die neu geschaffenen Stellen der Wildlebensraumberater bei den AELF in Bayern weiterhin bestehen bleiben. Er sieht dies als notwendig und wünschenswert nach den Ausführungen seiner Vorredner.Leitender Landwirtschaftsdirektor Robert Schnellhammer zeigte sich positiv überrascht vom Besuch  der Hegeschau. Als Jäger und Landwirt stellt er heraus, daß auch ein Maisschlag ein Biotop sein kann für Bodenbrüter wie den Kiebitz. Im Zusammenhang mit dem erwähnten Naturschutzthema des Jagdverbandes bat er um Verständnis für die aktuelle angespannte Situation der Landwirte, wenn es um bewirtschaftete Grundstücke in öffentlicher Hand geht. Hans Koller überbrachte die Grüße des  Bayer. Bauernverbandes als stv. Kreisobmann. Es sei zunehmend schwieriger, der Gesellschaft das  Verständnis für das Wirken der Landwirte nach guter fachlicher Praxis näherzubringen. Wichtig sei ihm, daß sich Jäger und Landwirte nicht auseinanderdividieren lassen. Die aktuellen Änderungen  bei der Novellierung des Bundesjagd-Gesetzes zählte Regierungsbezirks-Vorsitzender Richard Hoffmann vom Bayer. Jagdverband auf. Dabei seien Einschränkungen bei der Jagd auf einige Wildarten vorgesehen. Nur ein starker Verband könne sich den Herausforderungen von Teilen der Gesellschaft gegenüber der Jagd behaupten. Daher sei es wichtig, daß sich auch Trittbrettfahrer endlich zum Bayer. Jagdverband als anerkannte Vertretung aller bayer. Jäger bekennen.  In seinem Bericht stellte der Jagdberater der Wegscheider Jägerschaft Leonhard Hirsch die  Abschußzahlen bei den einzelnen Wildarten vor. Er konnte bestätigen, daß der 3-jährige  Abschußplan bei Rehwild mit 102 % gut erfüllt worden sei. Luchsrisse wurden im letzten Jagdjahr  zwar gemeldet, diese konnten jedoch nicht eindeutig bestätigt werden. Bei Schwarzwild gab es  eine Rekordstrecke von 50 Stück im Bereich der Kreisgruppe Wegscheid. Grundsätzlich wird jedes  Stück Schwarzwild auf Trichinen und Radiocäsium untersucht. Auch Rehe würden in der Meßstelle  der Wegscheider Jäger durch Josef Kainz, Pfaffenreut, stichprobenmäßig auf radiaktive Verstrahlung  untersucht. Hier lägen die Werte ähnlich niedrig wie bei den Hausschweinen. Forstdirektor Johann Gaisbauer als Bereichsleiter des Forstamtes Passau lobte die Zusammenarbeit mit dem Jagdberater Leonhard Hirsch. Von den 42 Revieren im Wegscheider Land wurden bei  28 davon auf Antrag eine revierweise Aussage erstellt. Die Entwicklung der Naturverjüngung sei  überwiegend positiv, in einem Revier sei der Verbiß deutlich zu hoch. Von den 6 Hegegemeinschaften wurden 4 davon im grünen Bereich eingestuft, bei 2 HG ist der Verbiß zu  hoch.Grundsätzlich sei es nicht die Absicht des Forstamtes als Fachbehörde für das Vegetationsgutachten, Rehe auszurotten, sagte FD Gaisbauer. Die Zusammenarbeit mit den Vorsitzenden der Jägerschaft wertete er als sehr konstruktiv. Zum Stand der aktuellen Abschußplanung informierte Walter Fürlinger von der Unteren Jagdbehörde. Dr. Raz vom Veterinäramt Passau referierte über die Aujeszkysche Krankheit, wo es positive Befunde auch im Landkreis Passau gibt. Ferner würde die Afrikanische Schweinepest beim Schwarzwild immer weiter nach Westeuropa vorrücken. PHK Günter Schaubschläger von der PI Hauzenberg interpretierte anhand einer Statistik die Entwicklung der Wildunfallzahlen im Altlandkreis. Obwohl bayernweit eine Steigerung der Wildunfälle festzustellen sei, gingen die Unfälle mit Rehwild im Bereich des Wegscheider Landes im Jahre 2014 zurück. Im Jahr 2015 konnte wieder eine Steigerung beobachtet werden. Neu seien im Bereicht der PI Hauzenberg aber Zusammenstöße mit Schwarzwild und Kollisionen mit Biber. Wildunfälle mit Fuchs und Dachs würden leicht zunehmen.Abschliessend berichtete 2. Vorsitzender Stephan Süß über den aktuellen Stand des Haselhuhn-Monitorings. Die Kartierung durch den Biologen soll Ende April beginnen.Er selbst hatte das Projekt beim letzten Landesjägertag und bei der internationalen  Raufußhühnertagung im Mauth vorgestellt. Der Bayer. Jagdverband mit seiner Wildlandstiftung als Träger der Finanzierung begrüßt dieses Projekt der Wegscheider Jägerschaft und will dies entlang des Grenzkammes zu Tschechien fortsetzen. Das in Kooperation mit dem Bund Naturschutz durchgeführte Wildkatzen-Monitoring, unterstützt durch die beiden Netzwerker „Große Beutegreifer“, Alois Hoheneder und Hans Schwarz, hätten ein Vorkommen dieser Tierart im Wegscheider Land nicht bestätigt. In seiner Eigenschaft als Biberberater ergänzte Stephan Süß, daß im Landkreis Passau im vergangenen Jahr 18 Biber tot aufgefunden worden seien, die meisten davon  sind dem Straßenverkehr zum Opfer gefallen. Vom Landkreis wurde eine Schadenssumme  von EUR 31.300.—im Jahr 2015 ausbezahlt bei 83 Antragstellern.Hierzu merkte der 1. Vorsitzende Rosenberger an, daß es die erklärte Position des Bayer. Jagdverbandes sei, den Biber nicht in das Jagdrecht aufzunehmen.